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  • Hertzraum Rheinfelden

Schreck lass nach

Aktualisiert: 1. März


Schreck und Schock aus ganzheitlicher Sicht


Der Umgang, mit einem für uns überwältigenden oder schockierenden Ereignis, ist unkontrollierbar und unser System übernimmt im Sinne von Schutz die Oberhand. Der Körper legt in einem solchen Moment alle nicht lebensnotwendigen Mechanismen ab. Die gesamte Handlung ist unbewusst auf Überleben eingestellt und wird vom Gehirn gesteuert, welches die wichtigen Reflexe Erstarren, Flüchten oder Kämpfen ermöglicht. Unser ganzes System schaltet instinktiv auf ein lebenserhaltendes Verhalten, ähnlich wie es Tiere tun. Im Körper werden verschiedene Hormone ausgeschüttet, um alle Sinne auf die Bedrohung vorzubereiten. Dies geschieht innerhalb von Sekunden und hat grosse Auswirkungen auf unser Dasein. Es gibt Studien welche die Gehirnaktivität und andere Körpermechanismen nach Schockerlebnissen untersucht haben und deutliche Veränderungen wurden festgestellt. Oftmals kann ein solches Erlebnis lange später, dauerhafte und unbewusst dauerhaft Auswirkung auf unseren Alltag und Lebensweise haben. Daraus lässt sich schliessen, dass der eigentliche Schock nicht im Ereignis selbst liegt, sondern in der Reaktion des Menschen zu diesem Zeitpunkt und somit im autonomen/unwillkürlichen Nervensystem. Was oftmals noch nach Jahren verschiedenste Arten und Ausprägungen von körperlichem Schmerz verursacht und/oder diffuse Gefühle und Angst immer wieder auftauchen lassen kann. Wie jemand mit einer solchen Situation und deren Folgen umgehen kann, hängt von den unterschiedlichsten Faktoren ab. Dazu gehören beispielsweise, die Stabilität der Lebensumstände, die zu Verfügung stehenden Ressourcen, die Resilienz- sowie die Selbstregulationsfähigkeit des menschlichen Organismus, speziell des autonomen Nervensystems.




Mögliche Symptome


Die Beschwerden und Einschränkungen führen über Schlaflosigkeit, durch Dauerbereitschaft des Systems auf eine weitere Bedrohung, Ruhelosigkeit, Konzentrationsblockaden, Ängste, Appetitlosigkeit, Sinnesstörungen bis hin zur Amnesie zum Schutz vor dem Erinnern. Wenn das Schockerlebnis schon lange zurückliegt und die Vermeidungsstrategie das Vergessen ist, kann es sein, dass eine Reaktion auf das Schockerlebnis in der Aktualität erlebt wird, welche nicht zuzuordnen ist für den Betroffenen.

Während dem Schockerlebnis stellt das Gehirn auf Notfall, so dass Überleben in den Fokus rückt. Trotzdem speichern wir in unserem Unterbewusstsein das Erlebte ab und versorgen es. Dieses Versorgen ist im Moment der Geschehnisse notwendig. Sitzt das Erlebte tief und beschränkt es uns im Alltag, ist die Bearbeitung des Erlebten enorm wichtig, um Wohlbefinden, Selbstregulation und Selbstebestimmung zu erlangen.

Im Moment des Erlebnisses kontrolliert unser Gehirn zum Selbstschutz - anschliessend ist es oftmals so, dass das Erlebnis uns kontrollliert.


Schreck und Schock - unsere Fachmeinungen


"Aus meiner Erfahrung als Aufsteller zeigen sich Schock und Trauma in Form von Erstarrung beziehungsweise Handlungsunfähigkeit und emotionaler Distanz. Dabei ist es mir wichtig zu unterscheiden, ob der Schock durch ein äusseres Ereignis wie z.B. ein Unfall oder durch eine prägende Erfahrung innerhalb des Familienssystems z.B. Verlust eines Elternteils in jungen Jahren hervorgerufen wird. Das Erlebte wird als Überflutung des gesamten Nervensystems wahrgenommen und kann als „Error“-Zustand bezeichnet werden. Beim Aufstellen wird auf achtsame weise diese einschränkende eingefrorene Lebensenergie sichtbar gemacht, ohne den Klient*in direkt mit dem Schock zu konfrontieren. Dadurch entsteht ein neuer Ressourcen orientierter Raum, indem sich der Klient*in neu positionieren kann. So wird Bewegung möglich und der Klient*in erfährt Entspannung sowie das Freisetzten von neuen Emotionen im Bezug zum Erlebten. Ich erlebe oft, dass der/die Klient*in anschliessend an die Aufstellung von Gefühlen der Akzeptanz, Würdigung und Versöhnung berichtet." - Kilian


"Im Schock Moment sind unsere körpereigene selbstregulierende Mechanismen aufs minimum reduziert und wir schalten instinktiv auf „Alarmstufe Rot“.

Nach dem Erlebnis können Starre auf körperlicher, geistiger und emotionaler Ebene entstehen, die sich in alltags-einschränkenden Beschwerden zeigen.

In der Kinesiologie wende ich einen ganzheitlichen Ansatz an, der durch achtsame Berührung das Körpersystem ins Gleichgewicht bringt. Durch das sanfte halten von Schockauflösungspunkten im Bereich der Meridiane und Akupunkturpunkte, kann die Klient*in wahrnehmen wie sich der Stress im Körper reguliert und abgebaut wird.

Dabei ist es mir sehr wichtig, der Klient*in zu ermöglichen diese Veränderungen in ihrem Tempo bewusst wahrzunehmen. Der Klient*in ermöglicht dies, aus der sogenannten „Schonhaltung“ herauszutreten und mit einem für sie passenden Körpergefühl und -haltung sowie emotionale Ausgeglichenheit den Alltag wieder zu meistern." - Sonia


"Sei es ein Sturz vom Apfelbaum in der Kindheit, der Verlust eines nahestehenden Menschen, eine Operation oder der bevorstehende Arzttermin.

Wird der Mensch von einem Ereignis überwältigt, schiesst das Nervensystem, in der Folge meist über seine Grenzen hinaus und bleibt in seiner Selbstregulationsfähigkeit eingeschränkt. Welche Faktoren erfüllt werden müssen, damit der Mensch ein Erlebnis als lebensbedrohlich, Schocksituation oder überwältigend einschätzt und erlebt, ist stets individuell und subjektiv zu betrachten. Das Erfahren und die Auswirkung, das (er)leben ist individuell und unterschiedlich. Selbst dann, wenn die erlebte Situation schon längst vorbei ist, bleibt der Körper solange unbewusst in ständiger Alarmbereitschaft, bis der benötigte Prozess für das Nervensystem vollständig abgeschlossen ist.

Der Schlüssel dazu liegt für mich somit im Einbezug des Körpers in die therapeutische Arbeit.

Die Craniosacral Therapie ist eine sanfte, achtsame und gleichzeitig tiefgreifende Form der Körperarbeit. Mit dem ganzheitlichen Therapieansatz, der individuellen Therapiegestaltung, der klienten- und prozesszentrierten Arbeitsweise bietet sie eine Möglichkeit, ein Schock oder traumatische Erlebnisse, über den Körper ganzheitlich zu behandeln.

Konkret bedeutet das, dass ich im Bereich der Körperarbeit auf der Liege gezielte Berührungen einsetze. Die manuellen Impulse ermöglichen es, das Nerven – und craniosacrale System wieder zurück in seine natürliche Balance zu führen und die dabei im Körper festgehaltene Energie sicher beim Entladen zu begleiten. Zusätzlich nutze ich den achtsamen prozesszentrierten Dialog, der ergänzend mit weiteren therapeutischen Mitteln wie z.B. der Imagination unterstützt werden kann.

Gerade bei diesen Thematiken ist es für mich essentiell einen vertrauensvollen Rahmen zu schaffen, in dem die Begegnung mit Klient*innen stattfinden und sich Klient*innen wahr- und ernstgenommen fühlen können. Meine therapeutische Arbeits- und Handlungsweise orientiert sich an den individuellen Bedürfnissen der Klient*innen, deren Grenzen und aktuellen Möglichkeiten und ist geprägt von Achtsamkeit und Wertschätzung." - Barbara


"Die Homöopathie mit ihren unzähligen Mittelbilder, hat natürlich auch einiges für solche Situationen zu bieten. Dabei ist vor allem die individuelle Reaktion des Menschen auf ein Schockerlebnis wichtig. Hier zeigt sich gut wie vielfältig und einzigartig wir alle sind. Wenn man sich hypothetisch vorstellt, dass 5 Leute das gleiche Erlebnis hatten, so liegt es auf der Hand, dass doch jeder seinen eigenen Umgang damit hat und somit für sich auch eine andere Herangehensweise und ein anderes homöoapthisches Mittel für diese Situation braucht. Es gibt Mittel wie Aconitum oder Belladonna, die nach einem Schreck heftig reagieren und ihren Schock nach aussen tragen. Dann gibt es aber auch Heilmittel wie Opium, die nach einem solchen Erlebnis ruhig und in sich gekehrt, fast schon abgeklärt und apathisch wirken können.

Die Einnahme des passenden Mittels und der Prozess im Gespräch befähigen die Lebenskraft des Betroffenen wieder dazu, ausgleichend wirken zu können. Natürlich kann die Homöopathie keinen Schock wegzaubern. Sie kann aber einem dahingehend unterstützen, dass die Reaktion und das Erlebte bewältigbarer wird.

Mir persönlich ist auch wichtig, acht darauf zu legen, dass die Bearbeitung des Schocks zum individuell richtigen Zeitpunkt und durch die passenden Personen und Therapieformen geschehen. Häufig sind tief sitzende Schockerlebnisse komplexe Situationen, in welchen ich gerne mit meinen Klienten zusammen ein interdisziplinäres Vorgehen bespreche." - Céline

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