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"Mizuhiki" der Knoten der Verbundenheit

Mit den Bündner Bergen fühle ich mich verbunden. Sie sind für mich erholsam, schön und vieles mehr. Seit Jahren Quelle der Inspiration für meine Kreativität, für die notwendige Ruhefindung, für spannende Gespräche sowie Begegnungen und immer einmal auch, Ort der Neuentdeckung.


Bei meinem letzten Besuch habe ich "Mizuhiki" entdeckt.

Unscheinbar in der Halle eines Hotels auf einen Tisch plaziert sehe ich wunderschöne handgemachte Schmuckstücke. Neugierig wie ich bin, wollte ich wissen woher diese filigranen und bunten Ohrringe und Armbänder alle kommen und vorallem wer sie gemacht hat.


Shibata aus Japan ist gerade für einen kurzen Aufenhalt im Engadin und besucht ihre Freundin aus der Jugend. In Japan ist sie eine anerkannte Künstlerin und Ausbildnerin für "Mizuhiki".

Sie gibt Kurse über das Binden von "Mizuhiki". Sie plant und kreiert Produkte, die mit "Mizuhiki" geknüpft werden.


Inspiriert von Shibatas Erzählungen entsteht unsere diesjährige Idee für unser Adventsfenster. Gemeinsam mit Barbara und Céline lassen wir unserer Kreativität freien Lauf.



Von Shibata erfahre ich, dass "Mizuhiki" bereits in der Nara-Periode (710-794) entstanden ist.

Die frühesten Aufzeichnungen über "Mizuhiki" besagen, dass Geschenke, die in der Nara-Zeit aus China geschickt wurden, mit Hanfschnüren umwickelt waren. Ich glaube, das war für die Japaner beeindruckend und symbolisch. Das "Mizuhiki" verbreitete sich in Japan bei Hofe und mit der Zeit auch beim Volk. Daher basieren die Etikette und die Umgangsformen des "Mizuhiki", die bis heute fortbestehen, auf der Ogasawara-Schule der Samurai-Etikette, die in dieser Zeit entstanden ist.


Weiter erzählt mir Shibata von der Symbolik oder Bedeutung der "Mizuhiki".

Anders als in westlichen Kulturen, in denen Bänder als Dekoration angebracht werden, hat das Mizuhiki eine besondere Bedeutung.


Die wichtigste Bedeutung des "Mizuhiki" ist "das Ungeöffnete".

In der japanischen Kultur wird das Paket mit dem gekoknotete "Mizuhiki" zwar verschönert.

Aber auch wird das Paket durch das "Mizuhiki" geschützt bis es den Empfänger erreicht, denn das Papiermaterial des Mizuhiki selbst ist rückverfolgbar und zeigt, dass es einmal geöffnet nicht wieder gleich geknöpft werden kann.



Sich die Zeit zu nehmen, ein Geschenk sorgfältig zu verpacken und zu zeigen, dass es heilig ist und erst dann geöffnet wird, wenn es den Empfänger erreicht ist sehr japanisch und steht in Verbindung mit der Fürsorge für den Empfänger. Das beginnt schon mit der Auswahl des Papiers und die Krönung ist das "Mizuhiki".


Shibata beschreibt es so: "Wenn ich das "Mizuhiki" langsam, Schritt für Schritt und mit Blick auf den Empfänger binde, bedeutet das, dass ich mich sehr um die Person kümmere, an die ich das Geschenk schicke. Es drückt meine Verbundenheit mit dieser Person aus. Obwohl der Empfänger nicht sehen kann, wie ich die Geschenke vorbereite, trägt der Akt des sorgfältigen Bindens von "Mizuhiki" für jemanden, dazu bei, mich zu beruhigen und meine Gefühle für den Empfänger auszudrücken. Ich binde jedes Stück sorgfältig, weil ich denke, dass der Empfänger beim Anblick der Verpackung meine Gefühle nachempfinden kann.



Weiter erklärt mir Shibata, dass "Mizuhiki" am Körper getragen in Form von Ohrringen den Menschen Schutz gewährt. Im Herzen erinnert uns "Mizuhiki" an die verbindende Wirkung des Fadens, der sichtbar oder unsichtbar zwischen uns Menschen besteht. Als Gesellschaft soll es an die Wahrung der Werte erinnern die das Zusammenleben in Frieden ermöglicht.


Mit unserem Adventsfenster möchten wir den Menschen die Hoffnung vermitteln, dass die Bindung zu Anderen eine unserer grössten Werkzeuge ist, um uns als Gesellschaft und Individuen zu festigen und geliebt zu fühlen.


In diesem Sinne wünschen wir euch eine Weihnachtszeit voller farbiger "Mizuhiki" die uns daran erinnern was für uns das Wesentliche ist und von welchen Werten sowie Menschen wir getragen werden.


Herzlich Sonia, Barbara und Celine




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